Niederlassungen [Niederlassungen]
Deutschland - Sachsen-Anhalt - Bülstringen
Kirche
Die Kirche ist deutlich jüngeren Datums, jedoch der Taufstein stammt aus dem 13. Jahrhundert. Dies ist der einzige Hinweis, der in die Zeit der Templer deutet, denn alle Spuren hat die Zeit getilgt.
Das Areal der Kirche, die gemeinsam mit dem Pfarrhaus den Ortskern bildet, ist von einer mannshohen Mauer umgeben. Der verwilderte und zum Teil ungepflegte Friedhof gibt nicht zu erkennen, ob dort Gräber aus der Zeit der Tempelritter zu finden sind. Die noch erkennbaren Grabsteine sind deutlich jüngeren Ursprungs, der älteste von 1618.
Interessant ist, dass auch das zwei bis fünf Meter gegenüber der Kirchenmauer liegende Pfarrhaus ebenfalls von einer mannshohen Mauer umgeben ist. Der wehrhafte Charakter ist noch zu erkennen, zumal das Pfarrhaus, das unmittelbar am Mauertor gelegen ist, nur den kleinsten Teil des umfriedeten Geländes ausmacht. An einem Ende des Geländes, nur ein schmaler Weg trennt die Mauern von Kirchgelände und Pfarrei, begrenzt ein kleiner Bach das Gesamtareal. Lag hier die ursprüngliche Komturei?

Historisch:
Im Mai des Jahres 1289 bekundet Graf Konrad von Wernigerode, dass er sein Lehensrecht über das Dorf Bülstringen für 10 Mark Silber dem Meister und den Brüdern des Templerordens in Wichmannsdorf verkauft habe. Außerdem verschenkte er obendrein das Dorf Vuolvvishusen (Wolfshausen) an die Templer in Wichmannsdorf.
Zehn Jahre später, 1299, übergibt ein Ritter Bruno von Eilsleben, dessen Sohn gerade in den Templerorden eingetreten war, den Brüdern in curia Wichmannstorp 5 ½ Hufe Land sowie 5 Höfe in Bülstringen. Aus diesen Einkünften sollte der Unterhalt bestritten werden. Ein Vorgehen, das durchaus als üblich zu bezeichnen war.
Spannend wird es kurz vor der Aufhebung des Ordens: Am 15. September des Jahres 1307 verkauft der Meister der Templer in Deutschland, Bruder Friedrich von Alvensleben in curia Wichmannsdorp, das Dorf Bülstringen einschließlich Geld-Hebungen in Groppendorf an seinen Bruder Albert von Alvensleben für 300 Mark Silber.
Da das gesamte Dorf (und somit deren Einkünfte) unter der Verwaltung der Templerkomturei in Wichmannsdorf stand, befanden sich wahrscheinlich keine Verwaltungsbauten der Templer in Bülstringen.

Text: Frank Köhler