Burg Lahneck [Lahnstein]

Im 18. Jahrhundert verbandet Wolfgang Müller von Königswinter im Gedicht "Die Templer von Lahneck", daß den Untergang der vermeintlichen Tempelritter- niederlassung auf Burg Lahneck beschreibt, ältere Traditionen, die vor allem seit dem 16. Jahrhundert altertümliche Bauwerke und Ruinen als Templerhäuser deuteten, mit historischem Wissen über den Untergang des Templerordens. Diese Kenntnisse wiederum standen in unmittelbarer Beziehung mit der bekannten Faszination, die in diesem Jahrhundert Geheim- gesellschaften wie die Freimaurer, die sich auf angebliche Templertraditionen beriefen, ausgeübt haben:

Die zwölf Templer auf Lahneck

Anfang des 14.Jahrhunderts wurde der Orden der Tempelritter, der zu frommen Zwecken und hauptsächlich zur Verteidigung des Christentums im Morgenland gestiftet worden war, seiner ausgebreiteten Macht wegen von mehreren Regenten hart verfolgt. Hauptsächlich war es Phillip der Schöne, König von Frankreich, und Papst Clemens V., welche auf die Vernichtung der Templer hinarbeiteten. Ersterer hatte zu diesem Zweck den Großmeister Molay samt 60 Ritter von der Insel Zypern nach Frankreich gelockt und sie sämtlich in Paris auf das grausamste hinrichten lassen; letzterer hierauf durch ein Edikt den Orden aufgehoben und dessen Güter nach Willkür verteilt.

Die übriggebliebenen Ritter, durch so schreckliche Maßregeln eingeschüchtert, zerstreuten sich in andere Länder, wo sie noch geduldet wurden; doch soweit die geistliche Macht des Papstes reichte, wirkte sie zum Verderben der Verfolgten. So wurde auch der Erzbischof von Mainz, Peter von Aichspalt, zur Ausrottung der in seinem Sprengel sich aufhaltenden Ordensritter aufgefordert, und der gehorsame Prälat beschloß, mit zwölf den Anfang zu machen, welche die Burg Lahneck besetzt hielten.

Eine starke Abteilung erzbischöflicher Truppen schloß unerwartet die Feste ein und forderte die zwölf Insassen auf, sich sofort auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Allein die Ritter, denen das Schicksal ihrer hingerichteten Brüder vor Augen schwebte, rüsteten sich zur tapfersten Gegenwehr, entschlossen, ihr Leben teuer zu verkaufen. Eine förmliche Belagerung begann und wurde mit allem Eifer geführt. Den wütenden Angriffen der Übermacht setzten die Templer jenen kalten Verteidigungsmut entgegen, der nichts erwartete als der Tod. Mehrere Stürme schlugen die Heldenmütigen ab. Da beschlossen die Erzbischöflichen, von Wut entflammt, und gestachelt von Scham, daß der ganzen Macht der Belagerer zwölf Ritter zu trotzen vermochten, einen allgemeinen und letzten Sturm. In dunkler Nacht wurde die Burg von allen Seiten zugleich erstiegen, und obwohl die ruhmwürdigen Templer Wunder der Tapferkeit vollbrachten, so war ihre Zahl doch viel zu gering, als daß es möglich gewesen wäre, dem stets wachsenden Andrang der Angreifenden länger zu widerstehen. Bald war das Haupttor in feindlicher Gewalt, ein Teil der Ritter erschlagen und der Rest zum Burghaus hingedrängt. In diesem unglücklichen Kampf, einander durch Zuruf ermutigend und an ihre ermordeten Brüder erinnernd, fielen sie endlich bis auf einen, der, obwohl schon aus vielen Wunden blutend, noch drohend das Schwert emporhielt. Unterdessen war der Morgen angebrochen, und die Sonne beschien mit ihren ersten Strahlen die blutige Szene des Burghofes. Da trat der Anführer der erzbischöflichen Söldner von unwillkürlicher Hochachtung und Bewunderung beim Anblick dieses letzten Kämpfers ergriffen, näher heran und bot ihm Freiheit und Leben, wenn er die nutzlose Gegewehr einstellen und um Gnade bitten wolle. Aber der Templer, ohne den Antrag einer Antwort zu würdigen, schleuderte mit letzter Kraft seinen Stahl unter die Gegner, stürzte sich in ihre Lanzen und hauchte sein Leben aus.

Obige Legende stammt aus:
"SAGEN AUS RHEINLAND-PFALZ"
Herausgegeben von Rainer Schlundt