Gerhard von Ridefort 10. Großmeister
1185 - 4. 10. 1189
andere Schreibweisen:
Gerard de Ridefort (fr), Gerardus de Ridefort (lt),
Wappen nicht bekanntWappen nicht bekannt Gerhard von Ridefort stammte aus Flandern und zog als einfacher Ritter ins Heilige Land. Dort trat er zunächst in den Dienst des Grafen von Tripolis. Der hatte ihm die Hand der Erbin von Botron versprochen, und Gerhard hoffte, mit der Heirat zu Besitz, Ansehen und Einfluß zu kommen, wie dies auch vielen anderen bereits gelungen war. Raimund, der Graf von Tripolis, brach sein Versprechen und gab die Braut einem reichen Pisaner aus Tripolis, der die Braut im wahrsten Sinne des Wortes in Gold aufwiegen konnte und die Kassen Raimunds somit auffüllte. Gerard verließ Tripolis und trat in den Dienst König Balduins. 1179 wurde er Marschall des Königs.

Wann er genau in den Orden eintrat ist nicht klar. 1183 wurde er Seneschall und 1184 vertrat er dann den Großmeister Arnold von Torroja, als dieser nach Italien reiste. Nach dem der Tod des Großmeisters in Jerusalem bekannt wurde, wählte man Gerard zu seinem Nachfolger. Gerhard galt, im Gegensatz zu seinem Vorgänger im Großmeisteramt, als ungestüm und dementsprechend unbesonnen. Bereits nach der Niederlage der Christen am 1. Mai 1187 gab man seiner Unbeherrschtheit die Schuld an dem verlorenen Kampf. Dies war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das Unglück das dem Orden und dem Königreich Jerusalem durch die Wahl Gerhards bevorstand: Die vernichtende Niederlage des großen christlichen Heeres gegen die Truppen Saladins bei Hattin, die den Beginn des Untergangs des Königreichs Jerusalem darstellte. Gerhard brachte den König dazu, entgegen allen anderen Ratgebern, den Befehl zum Marsch des christlichen Heeres auf Tiberias zu geben. Das Heer musste durch felsiges, wasserloses Gebiet, so dass die christlichen Truppen geschwächt und ohne Wasser den Kampf gegen die Sarazenen aufnehmen mussten. Die Schlacht endete mit der fast völligen Vernichtung des christlichen Heeres.

König Guido, die Barone und auch der Großmeister wurden von Saladin gefangen genommen und wegen des zu erwartenden Lösegeldes nicht getötet. Entgegen der Regeln und der Statuten des Ordens gab Gerhard den Befehl ihn freizukaufen. Die mehr als 230 gefangenen Templer sowie die gefangenen Johanniter ließ Saladin töten. Diese Handlungsweise zeugt davon, dass Saladin ganz sicher nicht der großzügige Herrscher war, als der er gerne beschrieben wird. König Guidos und Gerhards Freiheit wurde später mit der Aufgabe von Gaza, Toron de Chevalier, Beth Gilbelin und Askalon erkauft.

1189 zog König Guido gegen Akko und mit ihm auch der Orden. Am 4. Oktober 1189 starb Gerhard bei den Gefechten um die Stadt.